Der österreichische Pianist Alfred Brendel, der im Juni 2025 verstarb, wurde gleichermaßen für seine stilvollen Interpretationen von Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Joseph Haydn geschätzt wie für seine meisterhaften Darbietungen von Ludwig van Beethoven und Franz Liszt.
Wie ein Schauspieler, der mühelos in unterschiedliche Rollen schlüpft, bewegte sich Brendel spielerisch durch die Klangwelten verschiedener Komponist:innen. Ob vertieft in die Lyrik Wolfgang Amadeus Mozarts, im ausdrucksstarken Kontrapunkt Johann Sebastian Bachs, in den Stimmungswechseln Franz Schuberts (man höre etwa das „Scherzo“ aus der „Sonate in A‑Dur“) oder in der Virtuosität von Franz Liszts „Klaviersonate h‑Moll“ – Brendel beherrschte sie alle meisterhaft. Er wurde zudem als kollegialer Solist geschätzt, der besonders bei dialogisch angelegten Werken wie Robert Schumanns „Klavierkonzert“ zur Höchstform auflief.
Beethoven war Brendels größte Leidenschaft und er war der erste Pianist, der das gesamte Klavierwerk des deutschen Komponisten aufnahm. Wer seine tiefe Verbundenheit mit Beethoven in all seinen Ausdrucksformen erleben möchte, findet sie im erhabenen Satz der „Sonate Nr. 8“ („Pathétique“), in der Kraft der „Sonate Nr. 17“ („Der Sturm“) oder im einfühlsamen Dialog des „Klavierkonzerts Nr. 4“.