Kun-Woo Paiks Interpretationen vereinen große Emotionen und eine außergewöhnliche Vorstellungskraft. Aber auch die tief berührende Wärme seines üppigen Klangs zeichnet die Kunst des koreanischen Pianisten aus. Nur ein Beispiel: die Art, wie er jede Phrase von Frédéric Chopins „Nocturne Nr. 1 in b‑Moll“ formt. Mit feinem Gespür lässt er die Melodien der rechten Hand singen, während er das Tempo der hypnotischen Begleitung links fast unmerklich variiert. Johann Sebastian Bachs „Toccata in C‑Dur, BWV 564“ (Transkription von Ferruccio Busoni) strahlt indes eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus.
Der Musik Ludwig van Beethovens entlockt Paik hingegen Erhabenheit, ohne dabei ihre Energie zu zügeln, besonders eindrucksvoll zu hören im ersten Satz der „Pathétique“-Sonate. Dass sein Klavierspiel dabei höchst individuell ist, zeigt sich deutlich in der Abfolge der kurzen Tänze aus Robert Schumanns „Papillons“ und findet ihren Höhepunkt in seiner hinreißenden Interpretation von Gabriel Faurés „Barcarolle Nr. 1“, einer nuancierten Studie zarter Lyrik.