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- 2022 · 68 Titel · 2 Std. 41 Min.
Matthäus-Passion
BWV 244
Johann Sebastian Bach, der zehn seiner 20 Kinder im Säuglingsalter verlor, kannte den tiefen Schmerz der Trauer. Seine persönlichen Erfahrungen mit dem Tod und sein Glaube an das christliche Versprechen der ewigen Erlösung flossen in seine „Matthäuspassion“ ein, eine tiefgründige Meditation über das Leiden und die Bedeutung des Opfers Christi am Kreuz. Wie so oft versah er ein bestehendes Genre mit einem noch nie da gewesenen Maß an musikalischem Einfallsreichtum und emotionalem Verständnis. Bachs „Große Passion“, wie sie zu seinen Lebzeiten genannt wurde, folgte der lutherischen Tradition der Karwoche, in der Passagen aus dem Matthäus- und dem Johannesevangelium gesungen wurden, die von der Verhaftung, dem Prozess und der Kreuzigung Jesu berichten. Die „Matthäuspassion“, die höchstwahrscheinlich am Karfreitag 1727 in der Thomaskirche in Leipzig uraufgeführt wurde, ist ein Oratorium und verdankt ihre Kohärenz einer ideal ausbalancierten Synthese aus biblischer Erzählung, geistlichen Betrachtungen und Choralversen, zusammengestellt vom Leipziger Dichter Christian Friedrich Henrici, besser bekannt unter dem Pseudonym Picander. Das Libretto mit seiner Vielfalt an monumentalen Chören, Arien, Hymnen und Rezitativen für einen Evangelisten, Jesus, Pontius Pilatus, Petrus und andere Protagonisten beflügelte Bachs grenzenlose Vorstellungskraft. So schuf er eine Vertonung, die die Ereignisse eines historischen Augenblicks einfängt und ihre zeitlosen Implikationen erforscht. Bach lässt den Tenor des Evangelisten gegen einen tobenden Mob antreten und verarbeitet die Schande des Verrats von Judas und Petrus’ Verleugnung Christi in einer Musik von tiefstem Mitgefühl, gekrönt von der erhabenen Alt-Arie „Erbarme dich, mein Gott“.