Streichquartett Nr. 1 in D-Dur
Pjotr Iljitsch Tschaikowskis „Streichquartett Nr. 1“ entstand früh in seiner Karriere und wurde erstmals bei einem Konzert seiner Musik im Jahr 1871 aufgeführt. Das sanft schaukelnde Thema zum Einstieg brachte dem Werk seinen Spitznamen „Akkordeon“ ein, obwohl es im Verlauf zunehmend komplexere Auswüchse und Verästelungen der Spannung entwickelt. Der melancholische langsame Satz basiert auf dem ukrainischen Volkslied „Sidel Vanya na divane“ („Wanja saß auf der Couch“), das von der ersten Violine gespielt und mit sanften Cellopizzicatos verziert wird. Der Geist der Volksmusik treibt auch das kurze, prägnante Scherzo an, das von einer scharf akzentuierten Schreibweise geprägt ist – ebenso wie das verspielte, überschwängliche Finale. Während das „Streichquartett Nr. 1“ vom Publikum generell gut aufgenommen wurde, erregte der klangvolle zweite Satz besondere Aufmerksamkeit: Berichten zufolge rührte er den großen Schriftsteller Leo Tolstoi zu Tränen und wurde schon bald in einer Vielzahl verschiedener Bearbeitungen aufgeführt.
