Rhapsodie über ein Thema von Paganini

Op. 43

Zuerst wurde sein amorphes „Klavierkonzert Nr. 4“ aus dem Jahr 1926 vernichtend aufgenommen, später kamen die problematischen Aufführungen seiner „Variationen über ein Thema von Corelli“ aus dem Jahr 1931: Beide Werke erwiesen sich als zu lang für das amerikanische Publikum. Die „Rhapsodie über ein Thema von Paganini“ mit ihrer Gershwin-ähnlichen Lebensfreude und den Variationen, die vor Erfindungsreichtum sprühen, markierte Sergei Rachmaninows Rückkehr zu alter Form. Das Thema selbst, mit seinen munteren Auftakten, stammt aus der letzten von Niccolò Paganinis „24 Capricen für Solovioline“ (1817). Sie war reif für eine Neuerfindung: Paganinis Thema hatte zuvor schon Franz Liszt und Johannes Brahms zu Variationen inspiriert und sollte später die Fantasie von Witold Lutosławski und Andrew Lloyd Webber beflügeln. Rachmaninows einsätziges Werk für Klavier und Orchester gleicht einem Klavierkonzert und ist voller rhetorischer Verzierungen, die die Virtuosität des Solopianos deutlich in den Mittelpunkt stellen. Nach einer kurzen Einleitung präsentiert Rachmaninow die erste Variation, bevor das Thema erklingt – womöglich eine spielerische Referenz auf das Finale von Ludwig van Beethovens Dritter Sinfonie „Eroica“, in der das Thema ebenfalls noch vor der Ankündigung variiert wird. Die Stimmung ändert sich mit der sechsten Variation, wenn wir erstmals das düstere Thema des „Dies Irae“ („Tag des Zorns“) hören – einer beliebten gregorianischen Choralmelodie, die Rachmaninow in den Variationen 10 und 12 sowie im Finale wieder geschickt in das Werk einfließen lässt. Paganinis Thema spiegelt er für die sehnsüchtigen Ausbrüche der 18. Variation in Des‑Dur, Andante cantabile. Eine wunderbare Darbietung von kompositorischer Raffinesse, die einen Moment träumerischer Reflexion bietet, bevor das Werk mit rasender Geschwindigkeit seinem blendenden Finale entgegenstürmt.

Ähnliche Werke