Vanessa Wagner widmet sich in ihrer Classical Session ihrer Liebe zur zeitgenössischen, minimalistischen Musik. Eine Liebe, die sich erst kürzlich voll entwickelte, nachdem Wagner jahrelang eher mit dem Standard-Repertoire auf der Bühne stand. „Ich habe das Universum von Philip Glass, Steve Reich und John Adams schon vor langer Zeit entdeckt“, sagt Wagner gegenüber Apple Music, „aber ich habe sie nicht sofort gespielt. Ich fing erst 2016 auf meinem Album ,Statea‘ an, diese Musik zu erforschen.“ Seitdem ist Wagner auf der Suche nach neuen Stücken, vor allem nach solchen, die selten aufgeführt werden. „Diese Musik bietet mir eine wunderbare, ausdrucksstarke Palette“, sagt sie.
Wagners Programm beginnt mit „Lullaby“ von Bryce Dessner, Gitarrist der Band The National und gefeierter Komponist. „Bryce schickte mir dieses kurze Stück, das er für einen befreundeten Vater von Zwillingen geschrieben hatte“, sagt Wagner. „Darin schafft er es, durch mehrere Universen zu navigieren.“ Wagner spielt auch zwei Stücke von Philip Glass – „Dead Things“ aus Glass’ Soundtrack zu „Die Stunden“, und die „Etude No. 12“. „Die Etüde ist eines meiner Lieblingsstücke", verrät Wagner. „Sie ist still und lebendig und besitzt eine Art rastlose Süße, die mich jedes Mal mitreißt.“
Dazu kommt Musik von Kate Moore, einer jungen australischen Komponistin, deren flirrendes „Spin Bird“, so Wagner, „voller Angst ist, wie ein schwerer Himmel, in dem die Amseln fliegen.“ Abgerundet wird diese Classical Session durch Wagners eigenes Solo-Klavierarrangement von Meredith Monks „Gotham Lullaby“. „In der Originalversion singt Monk dieses Stück normalerweise, während sie sich selbst am Klavier begleitet“, sagt Wagner. „Es ist wie Musik, die schon in den vergangenen Jahrhunderten gelebt hat und die wir durch die Zeiten weiterreichen. Ich höre die Stimme aller Frauen der Welt durch dieses eine Lied – ein Lied der Liebe, der Zärtlichkeit und der Freiheit.“