Die Werke Johann Sebastian Bachs wurden häufiger für das Klavier transkribiert als die aller anderen Komponist:innen. Das liegt an der formalen Struktur seiner Werke, aber auch an seinem exquisiten harmonischen und melodischen Handwerk. So ist es möglich, jedes Werk für praktisch jede Instrumentierung zu bearbeiten – und das ohne Qualitätsverlust.
Wie Alexandre Tharaud auf diesem schönen und umfangreichen Album beweist, können kluge und einfühlsame Klavierarrangements Bach in Einklang mit modernen Hörgewohnheiten bringen. Sie steigern unsere Freude an der Musik, die ursprünglich für die weniger vertrauten Klänge von Orgel, Laute, Cembalo oder Barockflöte gedacht war.
Über 25 Titel hinweg nimmt uns Tharaud mit auf eine faszinierende Reise, auf der er uns sowohl berühmte als auch eher unbekannte Bereiche in Bachs Schaffen vorstellt, allesamt aus dem Blickwinkel des Pianisten. Der Siciliano aus der selten aufgeführten „Flötensonate in Es‑Dur“ entpuppt sich als eine der betörendsten Melodien des Komponisten. Und irgendwie vermittelt Tharaud auch die ganze Kraft im dramatischen Anfang der „Johannes-Passion“. Achte auf das unerbittliche Crescendo und darauf, wie Tharaud das Fortepedal beim Einsetzen des Chorals gedrückt hält und so auf brillante Weise die gedämpfte Akustik einer Kirche nachbildet.
Zwischen den Transkriptionen finden sich zudem Originalwerke für Tasteninstrumente – etwa das „Präludium in C‑Dur, BWV 924“, aus der Sammlung „Neun kleine Präludien“, das in nur 43 Sekunden überraschende harmonische Raffinesse bietet. An anderer Stelle entfaltet Tharaud die angedeutete Harmonie eines Satzes aus der „Partita a‑Moll“ für Soloflöte mit großem Geschick, Urteilsvermögen und einer deutlichen Betonung ihrer Schönheit.