Robert Schumanns „Dichterliebe“ zählt zu den Höhepunkten des Kunstlied-Repertoires. Und Tenor Jonas Kaufmann lotet in dieser 2020 während des Corona-Lockdowns entstandenen Aufnahme die vielschichtige Gefühlslandschaft des Zyklus tiefgründig aus. Sein weich timbrierter, oberer Registerbereich verleiht den frühen Liedern eine honigsüße Schönheit, in denen das erste Aufflammen der Liebe berauschend geschildert wird. Sobald die Gefühle kippen, tritt jedoch Kaufmanns rauere, baritonal gefärbte Seite hervor – besonders in seiner trotzigen, desillusionierten Deutung von „Ich grolle nicht“. Am Klavier begleitet Helmut Deutsch mit entwaffnender Sensibilität, vor allem in der schmerzerfüllten Coda des Schlusslieds „Die alten, bösen Lieder“.
Ebenfalls auf dem Album enthalten ist Schumanns Liedersammlung nach Kerner. Auch wenn sie – anders als die „Dichterliebe“ – keinen in sich geschlossenen Zyklus bilden, sind die Lieder in Kaufmanns stimmungsvoller, dunkel getönter Interpretation überaus eindringlich. Als faszinierendes Extra runden sechs Lieder aus einer Studierendenaufführung von 1994 die Aufnahme ab und lassen erahnen, wie sich Kaufmanns Weg an die Spitze seines Fachs entwickelt hat.