Der französische Violinist Renaud Capuçon macht sich – und uns – ein Geschenk zu seinem 50. Geburtstag: mit einer Aufnahme, die man weniger hört als erlebt. Diese sechs Werke, seit seiner Jugend ständige Begleiter, klingen hier wie ein musikalisches Tagebuch: persönlich, reflektiert und zugleich von großer innerer Ruhe getragen. Capuçons Spiel verbindet makellose Technik mit einem warmen, sprechenden Ton, der Johann Sebastian Bachs Musik atmen lässt. Die komplexe Polyfonie entfaltet sich klar und natürlich, während die Tanzsätze der Partiten vor Eleganz, Beweglichkeit und subtiler Energie leuchten. Nichts wirkt forciert, alles entsteht aus dem Fluss der Musik. Besonders in den langsamen Sätzen und der monumentalen Chaconne – laut Yehudi Menuhin „das größte Werk für Solovioline, das existiert“ – berührt Capuçon durch eine Mischung aus Demut und innerer Spannung, die lange nachhallt. Die schlanke, transparente Klangästhetik rückt die Violine nah an die Hörer:innen und schafft Intimität. So wird diese Einspielung zu einer Einladung, Bach neu und sehr unmittelbar zu entdecken – reif, menschlich und zutiefst musikalisch.