King Arthur
„King Arthur“ (1691) ist das populärste aller Bühnenwerke Henry Purcells – und jenes, das den stärksten Eindruck hinterließ. Es handelt sich dabei nicht um eine Oper im eigentlichen Sinne: Das Stück folgt einer britischen Theaterform, die als Semi-Oper bezeichnet wird und bei der neben der gesprochenen Handlung umfangreiche musikalische Szenen stehen. Die Hauptfiguren werden von Schauspieler:innen gespielt, während die Sänger:innen nur als Nebenrollen fungieren: So spielt die Musik für das Drama eine eher untergeordnete Rolle. Die Handlung, in der Artus über den Sachsenkönig Oswald triumphiert, besitzt wenig Bezüge zur tatsächlichen Geschichte oder zur Artus-Sage, sondern wurde größtenteils von dem Dichter John Dryden erfunden. Die Musik von Purcell, etwa „What Power art thou“, ist aufregend und anschaulich, mit intensiven, chromatischen Harmonien und erschütternden Rhythmen, die eine klirrende Kälte heraufbeschwören – etwa in der Frostszene, die davon erzählt, wie die Wärme der Liebe jedes noch so kalte Herz besiegt. Im vierten Akt feiert Artus seinen Sieg über Oswald in dem herrlichen „How Happy the Lover“, dessen vielfältige Texturen sich über einem beständig wiederkehrenden, viertaktigen Grundbass entwickeln. Wenn schließlich Merlin prophezeit, dass sich Britannien und Sachsen am Ende vereinen werden, untermalt Purcell das mit einem patriotischen Potpourri, darunter das Spottlied „Your Hay it is Mowed“ und eine seiner erhabensten Melodien, „Fairest Isle“.
