Wenige Monate, nachdem George Gershwin seine „Rhapsody in Blue“ 1924 dem Publikum in der New Yorker Aeolian Hall vorgestellt hatte, wurde in den USA ein Gesetz veröffentlicht, das Immigration als solche begrenzte. Für Menschen aus den britischen Kolonien in der Karibik erleichterte es jedoch die Einwanderung. Einer von ihnen war der Großvater von Lara Downes. Wenn sich die Pianistin einhundert Jahre später Gershwins Werk widmet, taucht sie also in ihre eigene Familiengeschichte ein. Auch Edmar Colón, der Komponist dieser Neuvariante, erweitert den Horizont; er stammt aus Puerto Rico und blickte bei seiner Bearbeitung des Stücks aufmerksam in alle Richtungen. Gemeinsam zeigen die beiden einen prächtigen Bilderbogen, der das zeitgenössische Amerika mit all seinen kulturellen Einflüssen umarmt. Paul Whiteman, der die Uraufführung des Werkes dirigierte, nannte den Abend seinerzeit „An Experiment in Modern Music“. Und das Update für jenes Experiment, das Downes, Colón und ihre Mitmusiker:innen auf die Bühne brachten, ist vollstens gelungen.