Hier geht es um eine Art übersehenes Juwel: „Der Prinz der Pagoden“ war das einzige Ballett des britischen Komponisten Benjamin Britten. Dem Opernkomponisten standen keine Stimmen zur Verfügung, mit denen er arbeiten konnte. Er nutzte stattdessen seine bemerkenswerten Fähigkeiten als Orchestrierer, um den verschiedenen Charakteren Leben einzuhauchen.
Das Ergebnis ist eine herausragende Präsentationsmöglichkeit für jedes Spitzenorchester. So auch hier für das Hallé und dessen neuen Hauptdirigenten, den in Singapur geborenen Kahchun Wong. Sein allererstes Konzert mit dem Orchester umfasste eine Auswahl von sieben Tänzen aus den „Pagoden“. In diesem Werk wird das Ballett komplett aufgeführt.
Wong fühlte sich insbesondere aufgrund der außergewöhnlichen Umsetzung balinesischer Gamelanmusik von diesem Werk angezogen, die dermaßen vollkommen ist, dass beim Zuhören der Eindruck entsteht, ein indonesisches Ensemble von Metallophonen (vom Prinzip her ähnlich dem Glockenspiel), gestimmten Gongs und Trommeln zu hören, anstelle von konventionellen westlichen Orchesterinstrumenten. Sie stehen für das Königreich des Prinzen und bilden einen wahrhaft exotischen Kontrast zur ansonsten fantastisch farbenfrohen, aber klar erkennbar westlichen Musik (Prokofjew ein offensichtlicher Einfluss), die das Königreich der Heldin Belle Rose darstellt.
Die Tempi sind tendenziell beständig, so dass die Musiker:innen Zeit für eine akkurate Darbietung und sorgfältig austarierte Instrumentalfarben haben – jedes Detail von Brittens akribischer Vertonung ist klar. Dennoch gibt es auch Momente des Trubels und aufgeregten Treibens, wie den letzten Tanz der Meerestiere im zweiten Akt (Track 20) oder die erquickende letzte Tanzsequenz im dritten Akt, in der die Heldin Belle Rose mit dem Prinzen die Befreiung ihres Königreichs feiert.
Im Album-Booklet
Kahchun Wong schreibt eine persönliche Notiz über seine Beziehung zu den „Pagoden“, und der Britten-Gelehrte Philip Reed liefert eine detaillierte Geschichte von Brittens Komposition der Partitur, einschließlich zahlreicher wenig bekannter Fakten wie dem anschließenden unerfüllten Projekt des Komponisten, ein Ballett zu schreiben, das Aspekte der Kultur der Aborigines erforscht.
Album-Booklets sind in der neuesten Version von Apple Music Classical verfügbar. Du kannst sie jetzt laden und mit deinem Apple Music-Abo genießen. Tippe oben auf das Buch-Symbol, um die Booklets aufzurufen.