Der Dirigent Simon Rattle ist seit vielen Jahren ein Verehrer von Kurt Weill. Dieses idiomatisch gespielte Album leitet sich von einem Livekonzert aus dem Jahr 2022 ab. Herzstück ist die forschende Aufführung von Weills „Die sieben Todsünden“, einem Ballett mit Gesang von 1933, das die letzte große Zusammenarbeit des Komponisten mit dem Bühnenautor Bertolt Brecht markiert.
Mezzosopranistin Magdalena Kožená (Rittles Ehefrau) spielt charaktervoll Anna, eine junge Frau, die von ihrer amerikanischen Familie losgeschickt wurde, um Geld für „ein kleines Haus am Mississippi“ zu verdienen. Stattdessen stößt sie auf die Versuchungen des Materialismus. Rattle hat dabei ein besonders gutes Auge für den Weltschmerz, der unter der schwungvollen Oberfläche von Weills Musik schlummert.
Rattle findet eine ähnliche Ambivalenz im Instrumental „Die Dreigroschenoper“ und taucht tiefer ein in die dunklere Seite Weills in einer fesselnden Darbietung der kurzen Kantate „Vom Tod im Wald“ mit Bassbariton Florian Boesch als Solist.