Der böhmische Komponist Heinrich Biber war nicht nur ein virtuoser Geiger, sondern auch ein Pionier in der Entwicklung fortgeschrittener Spiel- und Ausdruckstechniken in der Generation vor Antonio Vivaldi. Die acht Violinsonaten, die Biber 1681 veröffentlichte, sind typisch für seine einfallsreiche und zugleich bezaubernd schöne Musik. In dieser Aufnahme werden sie von dem kroatischen Violinisten Bojan Čičić mit Hingabe interpretiert: Die Anmut und Eleganz seines Spiels kommen im „Variationes“-Satz der „Sonate Nr. 1“ zum Vorschein, während der Satz „Aria – Presto“ der „Sonate Nr. 7“ seine blitzschnelle Fingerfertigkeit eindrucksvoll zur Geltung bringt.
Ein Trick, den Biber häufig einsetzt, ist die sogenannte Scordatura – eine von der Norm abweichende Stimmung der Violine –, die zu neuartigen Klangfarben führt. Selbst im Spiel von Mehrfachgriffen trifft Čičić jeden Ton mit makelloser Intonation – ein Merkmal seiner scheinbar mühelosen Virtuosität. Das Ensemble der begleitenden Theorbe, Harfe, Cembalo und Orgel erweist sich als idealer Partner: Es sorgt für warme Harmonien und eine reiche Vielfalt an Texturen in diesen Sonaten.