

Als der Komponist Kevin Puts der Mezzosopranistin Joyce DiDonato erzählte, dass er Gedichte von Emily Dickinson vertonen wollte, war das der Beginn eines der spannendsten Liederzyklen der vergangenen Jahre. „Ich sang die Rolle der Virginia Woolf in Kevins Oper ‚The Hours‘“, erinnert sich DiDonato im Interview mit Apple Music Classical. „Während der ersten Aufführung kam er zu mir und meinte: ‚Joyce, ich würde gerne mehr für dich schreiben.‘“ Puts hatte kurz davor das mit einem Grammy ausgezeichnete Album „Contact“ mit dem Streichtrio Time for Three aufgenommen. Er war überzeugt, dass dies die perfekte Kombination von Musiker:innen sei, um die visionäre und zeitlose Poesie der Dichterin Dickinson aus dem 19. Jahrhundert zum Leben zu erwecken. „Ich glaube, ihr würdet zusammen echt elektrisierend sein“, meinte Puts gegenüber DiDonato. Und so kam es auch. Die ungewöhnliche Besetzung von Time for Three mit zwei Violinen und Kontrabass, DiDonatos dramatische und technische Wandlungsfähigkeit sowie der grenzenlose Enthusiasmus aller vier für das Potenzial des Projekts inspirierten Puts: Er macht sich daran, Musik von außergewöhnlicher Originalität zu komponieren. Die daraus resultierenden Lieder lassen sich nicht in eine Schublade stecken und bewegen sich zwischen Oper, Musical und Rock, um die emotionale Kraft von Dickinsons Gedichten zu unterstreichen. „Es fühlt sich an, als hätten Emily Dickinsons Worte schon lange auf Kevins Musik gewartet“, sagt DiDonato. Im Eröffnungssong „They shut me up“ lässt ein viszerales, eindringliches Zittern in den hohen Saiten Dickinsons Wut und ihr Gefühl der Ungerechtigkeit gegenüber ihrer beengten Welt hörbar werden. „Dickinson war in dieser Welt der Prosa gefangen“, sagt DiDonato, „die aus der Gesellschaft, dem Calvinismus, dem Ende des Bürgerkriegs und den strengen Vorstellungen davon bestand, was eine Frau sein sollte und was nicht. Und sie versuchte zu funktionieren, also schottete sie sich buchstäblich von der Welt ab und tauchte immer tiefer in jene ein, die sie sich heraufbeschwören konnte.“ Ein ähnliches Gefühl der Dringlichkeit prägt „The Soul selects her own Society“, wo sanfte Melodielinien und zerklüftete Rhythmen verschmelzen. In „I Felt a Funeral“, Dickinsons kraftvollem Porträt eines mentalen Zusammenbruchs, verwendet Puts hingegen einen treibenden Kontrabassrhythmus, um eine Begräbnistrommel nachzuahmen, während darunter schwebende Gesänge und eigenartige, beunruhigende Harmonien den Kern des Gedichts widerspiegeln. In einem typischen Anflug von Inspiration nutzt Puts die formale dramatische Intensität des Barock, um die architektonische Metapher in „The Props assist the House“ zu unterstreichen. Für „Her Face“ bringt Charles Yang, Violinist von Time for Three, unterdessen seine außergewöhnlich schöne Tenorstimme in einem Duett mit DiDonato ein. „Das war wirklich ein lebensverändernder Moment“, sagt Yang. „Kevin hat es mir ermöglicht, mit einer Weltklassekünstlerin eine ganz andere Seite meiner Arbeit zu zeigen. Solche Augenblicke bedeuten mir alles.“ DiDonato und Time for Three erwecken jeden Song mit leidenschaftlichem Engagement und beeindruckendem Können zum Leben. „Wir sehnen uns nach dieser wechselseitigen Energie, etwas zu geben und dann zurückzubekommen und mit diesem Moment zu spielen“, sagt Nick Kendall, Violinist von Time for Three, über die enge Dynamik zwischen den vier Musiker:innen. „Kevin schreibt für die Emotionen. Ich kenne Joyces Musik schon so lange – sie ist einfach ein weiteres Instrument, bei dem es nur um das Herz geht.“ Bassist Ranaan Meyer stimmt dem zu. „Ich habe nie das Gefühl, in dieser Gruppe lediglich Bass zu spielen. Niemals. Nicht eine Sekunde lang. Es ist wie das Gefühl, von dem manche Leute sprechen, wenn sie surfen oder Ski fahren: Man findet diesen Flow, oder die Zeit steht still. Es ist spontan, es ist improvisiert, es ist flexibel, es ist fließend.“ Diese scheinbar perfekte Zusammenführung von Talenten ist das Ergebnis langer Proben und Überlegungen – etwas, das in der Welt der klassischen Musik ungewöhnlich ist. Künstler:innen wechseln hier vergleichsweise schnell von einem Projekt zum nächsten. „Ich habe noch nie auf diese Weise an einem neuen Werk gearbeitet“, sagt DiDonato über das Jahr, in dem sie und Time for Three an „Emily – No Prisoner Be“ gearbeitet haben. „Ich glaube, als wir uns zum ersten Mal an der Juilliard trafen, hatte Kevin 13 oder 14 Stücke fertig. Wir haben sie durchgearbeitet und brachten uns alle ein. In diesem Raum ohne Egos zu sein, war die aufregendste musikalische Zeit meines Lebens.“ Kendall sieht es genauso: „In unserer Welt sagen professionelle Musiker:innen oft: ‚Wir müssen nicht so viel über die Story wissen. Gebt uns einfach die Noten und wir spielen. Wir sind ausgebildet. Wir machen unseren Job gut.‘“ Aber schon vor jeder Aufnahmesession, fügt Meyer hinzu, machten sie die Dinge anders. „Joyce kam in den Raum und brachte alle zur Ruhe“, sagt er. „Sie holte uns zusammen und las das Gedicht vor. Einfach, um uns alle einzustimmen.“ Das Ergebnis ist eine Reihe von Werken, deren Wirkung viel tiefer ging, als es die Musiker:innen erwartet hatten. „Ich hatte das Gefühl, dass mir nicht klar war, welche Wirkung dieses Werk entfalten würde“, sagt Kendall. Dabei bezieht er sich auf die Tränen, die er im Publikum während der Liveaufführung in den Gesichtern sah. „Die Leute konfrontierten uns mit ihren Emotionen und den extremen Gefühlen, die sie bei der Aufführung empfanden. Und genau das findet auf dem Album statt.“
30. Januar 2026 26 Titel, 1 Stunde 5 Minuten ℗ 2026 Time for Three LLC and Joyce DiDonato under exclusive license to PLATOON Ltd.
MUSIKLABEL
PlatoonProduktion
- David LaiProduzent:in
- Silas BrownProduzent:in
- David LaiAufnahmeingenieur:in
- Angie TeoAufnahmeingenieur:in
- Silas BrownMischtechniker:in, Schnitttechniker:in, Mastering-Ingenieur:in, Aufnahmeingenieur:in
- Jim PapoulisAufnahmeingenieur:in