
- WIR EMPFEHLEN
- 2018 · 3 Titel · 9 Min.
Violinkonzert in E‑Dur
RV 269, Op. 8/1 · “Der Frühling aus Die vier Jahreszeiten”
„Der Frühling ist gekommen, und festlich begrüßen ihn die Vögel mit frohem Gesang.“ So beginnt das Vorwort des ersten Konzerts von Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“. Das Sonett wurde wahrscheinlich vom Komponisten selbst verfasst; die Erzählung ist nicht nur ein Leitfaden für die Zuhörer:innen, sondern auch für die Musiker:innen, die alles imitieren und beschwören müssen, vom Vogelgesang bis zum bellenden Hund. Der „Frühling“ folgt demselben Muster wie alle „Vier Jahreszeiten“-Konzerte. Drei Sätze, im Großen und Ganzen schnell-langsam-schnell, liefern eine Abfolge von stimmungsvollen Vignetten. Der überschwängliche Tanz des eröffnenden Allegro wird bald durch den Ruf der Vögel unterbrochen. Zirpende Stakkato-Töne, gurrende Triller und Tonleitern vermischen sich und konkurrieren in einem lebhaften Dialog. Ihr Gesang wird durch das Tosen eines Gewitters und zackige Blitze in der Solovioline abgelöst, doch die Wolken ziehen bald vorüber und der fröhliche Tanz geht weiter. Eine sanfte Brise murmelt und streichelt die Wiesengräser im Largo. Ein Ziegenhirte schläft, beruhigt durch das Wiegenlied der Solovioline, während sein Hund Wache hält – man kann ein schroffes Bellen in der Bratsche hören. Ein Bordunton in den tiefen Streichern zu Beginn des Allegro Pastorale imitiert die Dudelsäcke, die die „Nymphen und Hirten“ begleiten, deren anmutige Tänze (die sich so sehr von den schwerfälligen Bauern im „Herbstkonzert“ unterscheiden) sich in den Solo- und Ensemblegeigen winden und biegen. Über „Die vier Jahreszeiten“ Vom plötzlichen Frühlingsgewitter bis zur trägen Sommerhitze, von Ernteliedern und -tänzen bis zur beißenden Kälte des Winterwinds – Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ ist das lebendige Porträt eines Jahres auf dem Lande, gemalt in Klängen. Die 1725 veröffentlichten vier Violinkonzerte sind das Eröffnungswerk einer größeren Sammlung, „Il cimento dell’armonia e dell’invenzione“(„Der Wettstreit zwischen Harmonie und Erfindung“), aber sie standen schon immer für sich: beschreibende Musik in einem Zeitalter der Abstraktion, Filmmusik lange vor dem Film selbst. Zu ihrer Zeit als Spielerei oder wilde Innovation abgetan, dauerte es mehr als 200 Jahre, bis diese klanglichen Schnappschüsse einen festen Platz im Repertoire fanden.