Violinkonzert in F‑Dur

RV 293, Op.  8/3 · “Der Herbst aus Die vier Jahreszeiten”

Die Herbsternte und das darauffolgende ausgelassene Festmahl bilden den Ausgangspunkt für den „Herbst“, das dritte Violinkonzert aus Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“. Die anderen Jahreszeiten mögen von der Natur dominiert sein, im „Herbst“ jedoch dreht sich alles um den Menschen – seine Vergnügungen und Genüsse. Fast meint man, das Knallen der Stiefel in den schweren Rhythmen des Allegro zu hören. Es scheint, als würde der Tanz von einer Fiedel begleitet – angedeutet durch die Akkorde der Solo-Violine: eine einfache Musik, die ihre eigene Harmonie schaffen muss. Während der Wein beginnt, seine Wirkung zu zeigen, schwadroniert die Solo-Violine zunehmend wie ein Trunkenbold, bevor die Schimpftirade in Melancholie umschlägt und schließlich eine kurze Reprise des Eröffnungstanzes folgt. „Die Trunkenbolde sind eingeschlafen“, schreibt Vivaldi in der Partitur über den langsamen Satz. Getragene Streicher legen eine träumerische Stille über das Cembalo, dessen gespreizte Akkorde das Ein- und Ausatmen suggerieren. Es ist ein Moment des musikalischen Innehaltens und der Regeneration vor den Strapazen der folgenden Jagd. Das galoppierende Thema des letzten Satzes versetzt uns direkt in eine Jagd, als würden Pferde und Hunde vorbeispringen. Wir können den Klang der Hörner und die lauten Rufe der Jäger bereits beim ersten Soloeinsatz hören. Die Spannung steigt in explosiven Tonleitern und aufgeregten Bewegungen des Orchesters, als die verwundete Beute gesichtet wird. Schnelle Sechzehntelnoten, durch die das Streicherensemble hüpft – in manchen Aufführungen werden sie gezupft, um die Wirkung zu verstärken –, lassen das Reißen der Sehnen erahnen, wenn das Tier endlich erlegt ist. Über „Die vier Jahreszeiten“ Vom plötzlichen Frühlingsgewitter bis zur trägen Sommerhitze, von Ernteliedern und -tänzen bis zur beißenden Kälte des Winterwinds – Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ ist das lebendige Porträt eines Jahres auf dem Lande, gemalt in Klängen. Die 1725 veröffentlichten vier Violinkonzerte sind das Eröffnungswerk einer größeren Sammlung, „Il cimento dell’armonia e dell’invenzione“ („Der Wettstreit zwischen Harmonie und Erfindung“), aber sie standen schon immer für sich: beschreibende Musik in einem Zeitalter der Abstraktion, Filmmusik lange vor dem Film selbst. Zu ihrer Zeit als Spielerei oder wilde Innovation abgetan, dauerte es mehr als 200 Jahre, bis diese klanglichen Schnappschüsse einen festen Platz im Repertoire fanden.

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