Violinkonzert in f‑Moll

RV 297, Op.  8/4 · “Der Winter aus Die vier Jahreszeiten”

Die Körper schlottern und die Zähne klappern bei den frostigen Dissonanzen und eiskalten Rhythmen, mit denen „Winter“(„L’inverno“) eingeleitet wird – das letzte Konzert in Antonio Vivaldis musikalischem Zyklus der Jahreszeiten. Das eröffnende Allegro non molto wechselt zwischen Musik, die auf einer einzigen Note zu erstarren scheint, und rasenden Ausbrüchen, die von der Solovioline ausgelöst werden und in zackigen Böen durch den Raum wehen. Diese Bewegung überträgt sich auf das Orchester, das unvermittelt die Energie der Violine aufgreift und sie in einen stampfenden Tanz verwandelt. Aber der Winter besteht nicht nur aus Entbehrungen. Das langsame Largo schwelgt in Wärme und Zufriedenheit. Eine einfache Melodie der Solovioline entspinnt sich aus gezupften Saiten – ihre pulsierende Helligkeit erinnert nicht nur an das unaufhörliche Prasseln der Regentropfen draußen, sondern auch an ein flackerndes Feuer im Inneren. Im abschließenden Allegro ist der Regen nun gefroren und unberechenbar. Die Solovioline übernimmt die Führung, ohne jegliche harmonische Verankerung. Die Orchestergeigen folgen zaghaft, aber trotz aller Vorsicht lässt die absteigende Notenführung die Menschen zu Boden sausen. Auch hier gibt es Schönheit, wie das süße Hauptthema des Orchesters – ein Moment der Ruhe, bevor die Solovioline das Ensemble in ein wildes musikalisches Verfolgungsspiel führt. Über „Die vier Jahreszeiten“ Vom plötzlichen Frühlingsgewitter bis zur trägen Sommerhitze, von Ernteliedern und ‑tänzen – und dem Trinken, das sie beflügelt – bis zur schneidenden Kälte des Winterwindes: Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ ist ein lebendiges Porträt eines Jahres auf dem Lande, gemalt in Klängen. Die 1725 veröffentlichten vier Violinkonzerte bilden den Auftakt zu einer größeren Sammlung, „Il cimento dell’armonia e dell’inventione“ („Der Wettstreit zwischen Harmonie und Erfindung“), aber sie standen schon immer für sich selbst: beschreibende Musik in einem Zeitalter der Abstraktion, Filmmusik lange vor dem Film selbst. Zu ihrer Zeit als Spielereien oder wilde Innovationen abgetan, sollte es mehr als 200 Jahre dauern, bis diese musikalischen Momentaufnahmen einen festen Platz im Repertoire fanden.

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