
- WIR EMPFEHLEN
- 1965 · 4 Titel · 30 Min.
Cellokonzert in e‑Moll
Op. 85
Anders als viele seiner englischen Landsleute sah Edward Elgar im Ausbruch des Ersten Weltkriegs sofort eine Katastrophe. Er schrieb in dieser Zeit mehrere patriotische und vermeintlich moralisierende Werke, jedoch ohne das Feuer und die Überzeugung seiner Vorkriegswerke. Das „Cellokonzert“, kurz nach dem Krieg im Jahr 1919 komponiert, drückt offen seine Verzweiflung über die Zerstörung der Welt aus, die er einst zu kennen glaubte. Es beginnt mit einer mutigen Passage des Solisten, die typische spätromantische Antwort eines vollen, stürmischen Orchesters bleibt aber aus. Stattdessen stellt ein dezentes Bläserquartett, angeführt von einer Klarinette, eine klagende Frage, die mit einem gedämpften Akkord der Streicher endet. Die entmutigten, nachdenklichen Sätze des Cellos werden von einem geisterhaften, rhythmischen Thema der Streicher begleitet. Sie vermitteln eindrucksvoll das Gefühl von Orientierungslosigkeit und Verlorenheit. Das Cello greift das Thema der Streicher auf, als würde es damit das Orchester zu einem leidenschaftlichen Statement anspornen wollen. Das Scherzo des zweiten Satzes fesselt mit virtuoser Brillanz und der langsamere dritte Satz mit einer sanften und eher melancholischen Nachdenklichkeit. Dem düsteren Beginn des Finales begegnet das Cello zunächst mit Trotz – und für eine Weile scheint es, als ob es zu einem ausgelassenen, tänzerischen Abschluss kommen könnte. Doch die Verzweiflung des Cellos lässt sich nicht unterdrücken. Der Schmerz macht sich endlich und resigniert Luft, bevor mit einer schroffen Reminiszenz an die Anfangsakkorde der Vorhang fällt.