Requiem in d‑Moll

Op. 48

Gabriel Fauré komponierte seine „Messe de Requiem“ höchstwahrscheinlich für einen Gedenkgottesdienst, der im Januar 1888 in der Pariser Kirche La Madeleine stattfand. Die ursprüngliche Fassung umfasste fünf Abschnitte der lateinischen Totenmesse, darunter eine erhabene Vertonung von „Pie Jesu“ für Solosopran und Orgel und das exquisite „In Paradisum“, das zu den schönsten aller geistlichen Kompositionen des späten 19. Jahrhunderts zählt. Fauré komponierte sein sogenanntes „Kleines Requiem“ für die auffallend wirkmächtige Kombination von Bratschen, Celli, Kontrabässen, Orgel, Harfe und Pauken, wobei im „Sanctus“ eine Solovioline auftritt. Für eine zweite Aufführung im Mai 1888 in La Madeleine fügte er zwei Trompeten und zwei Hörner hinzu und erweiterte das Werk später um die „Hostias“ und „Libera Me“ für Bariton-Solo sowie um die meditativen Choreinleitungen und den Schlussteil des „Offertoire“. Fauré erinnerte sich, dass er mit seinem „Requiem“ „etwas anderes machen“ wollte. Er tat dies, indem er das traditionelle „Dies irae“ mit seiner Darstellung von Höllenfeuer und Verdammnis strich, um etwas zu schaffen, das ein früher Kritiker als „ein Wiegenlied des Todes“ bezeichnete – sehr zur Freude des Komponisten. Die sanfte Lyrik der Musik zieht die Zuhörenden tief in den Text hinein und unterstreicht gleichzeitig gelegentliche Gefühlsausbrüche, vor allem in den gewaltigen Chorrufen von „Osanna“ und dem leidenschaftlichen Mittelteil des „Agnus Dei“. Unter dem Druck seines Verlegers stimmte Fauré zu, die Orchestrierung seines „Requiem“ zu erweitern. Die sinfonische Version, die während der Weltausstellung in Paris 1900 zum ersten Mal aufgeführt wurde, erlangte weltweite Popularität. Die anspruchsvolleren, intimeren Vorgänger wurden jedoch wieder zum Leben erweckt: zuerst in einer Ausgabe, die John Rutter in den frühen 1980er-Jahren erstellte, und seitdem durch sorgfältige Textforschung.

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