Sinfonie Nr. 3 in d‑Moll

Nur Gustav Mahler war in der Lage, einer kolossalen Chor- und Orchestersinfonie eine weitere folgen zu lassen. Das soll aber nicht heißen, dass er sich hier wiederholt. Die „Sinfonie Nr. 2“ erzählt eine sehr persönliche, eindringliche Geschichte, die sich von einer nüchternen Vision des Todes zu einer gewaltigen, choralen Bejahung des wiederauferstandenen Lebens entwickelt. Dagegen ist die „Sinfonie Nr. 3“ (1893-96) eine Abfolge riesiger Tableaus, die mit einem der längsten und seltsamsten sinfonischen Sätze beginnt, die je komponiert wurden. Die elementare Natur – die Ehrfurcht gebietenden Höhen und Weiten von Mahlers geliebten Alpen – weicht schließlich einer rauen, dicht strukturierten Prozession (Mahler nannte sie „Frühlingseinmarsch“). Dann folgen vier kürzere Sätze. Ein süßer, blumiger Tanzsatz führt zu einem munteren, dabei oft überraschend zarten Scherzo, das von den Rufen eines fernen Posthorns begleitet wird. Dann folgt eine entrückte Nietzsche-Vertonung für Alt und reduziertes Orchester, in der es um nächtliche Hymnen und das wesentliche Geheimnis des Lebens geht. Im Anschluss folgen Kinderstimmen, die die Geschichte von Petrus’ Verrat an Christus und dessen Vergebung erzählen. Im Finale erklingt schließlich ein herrliches Adagio für Orchester, mit Momenten der Angst, die aber in einer strahlenden Hymne enden. Mahler dachte darüber nach, der Sinfonie einen Titel zu geben, und entwarf ausführliche Begründungen, entschied sich aber – wahrscheinlich in weiser Voraussicht – dafür, seinem Publikum die Interpretation der Sinfonie selbst zu überlassen. Alles, was er schließlich sagte, war, dass die „Sinfonie Nr. 3“ einen „Aufstieg“ von der unbeseelten Natur zur Liebe Gottes darstellt.

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