
- WIR EMPFEHLEN
- 2008 · 32 Titel · 1 Std. 48 Min.
The Creation
Hob. XXI/2
Joseph Haydns erste Konzertsaison im florierenden London in den Jahren 1791/92 war ein triumphaler Erfolg. Sein längerer Aufenthalt, dem 1794/95 eine erneute Reise nach England folgte, ermöglichte es ihm, sich im Detail von der hohen Qualität und der außergewöhnlichen Vielfalt des musikalischen Lebens der britischen Hauptstadt zu überzeugen. Unter anderem besuchte er Aufführungen von Georg Friedrich Händels Oratorien durch die großen Chöre der Westminster Abbey. Diese inspirierten ihn direkt zu „Die Schöpfung“, einem der großen Meilensteine der Musik an der Schwelle zum frühen 19. Jahrhundert. Das von 1796 bis 1798 entstandene Oratorium erntete schon bei seiner ersten öffentlichen Aufführung in Wien 1799 größte Anerkennung. Der Komponist setzte eine überwältigende Vielfalt an Orchesterfarben, Kombinationen von Chor- und Solostimmen sowie alten und modernen Musikstilen ein, um die Geschichte von der Entstehung des Himmels und der Erde und der Schöpfung aller Lebewesen durch Gott zu erzählen. Das Libretto des Werks wurde von Baron Gottfried van Swieten geschrieben, einem Diplomaten mit großer Leidenschaft für die Musik Händels und Johann Sebastian Bachs, der dafür teils auf Passagen aus dem Buch Genesis zurückgriff, viele der Arien und Refrains aber auch selbst verfasste. Der Stoff gefiel dem frommen Haydn offensichtlich, ebenso wie die klug gewählte Aufteilung des Textes. Der besteht aus Rezitativen und Arien für Sopran, Tenor und Bass – die im ersten Teil als die Erzengel Gabriel, Uriel und Raphael und im dritten und letzten Teil als Adam (Bass) und Eva (Sopran) auftreten – sowie aus Refrains, die auf Psalmtexten basieren. Haydns einleitende Ouvertüre „Die Vorstellung des Chaos“ besticht durch ihre dunklen Töne, auch der mächtige Chor, der die Erschaffung des Lichts ankündigt, ist ein Moment atemberaubender Dramatik. Im weiteren Verlauf zeigt Haydn in diesen lebendigen musikalischen Schilderungen von Gottes Werk und seiner zutiefst bewegenden Vision des Paradies überwältigende Fantasie und Einfallsreichtum.