Klaviersonate Nr. 1 in f‑Moll
Das populäre Bild des jungen Ludwig van Beethoven als widerspenstiger Unruhestifter, der die Musikwelt im Sturm erobert, ist nur ein Teil der Geschichte. Hinter den Kulissen plante er seine Karriere minutiös. Nachdem er 1792 seine Heimatstadt Bonn in Richtung Wien verlassen hatte, begann er mit der Arbeit an einer Reihe von drei Klaviertrios op. 1 (veröffentlicht 1795) und drei Klaviersonaten op. 2, um sich ein Mäzenatentum zu sichern. Die Widmung der Trios ging an Fürst Karl Lichnowsky (1761-1814), der ihn prompt einlud, die Franz Joseph Haydn gewidmeten Sonaten in seinem Palast uraufzuführen. Beethoven entschied sich, die Reihe mit der „Klaviersonate Nr. 1 in f‑Moll“ zu eröffnen, einer auffallend dramatischen Tonart, zu der er später für zwei wegbereitende Werke zurückkehrte: die „Appassionata“-Sonate und das „Serioso“-Streichquartett. Das intensiv-dramatisch eröffnende Allegro erregt sofort die Aufmerksamkeit mit seiner aufsteigenden, von den Mannheimer Symphonikern entlehnten raketenartigen Figuration. Dann lockert Beethoven die Spannung mit einem heiteren Adagio, das auf einem früheren Klavierquartett basiert, bevor ein seltsam schwermütiges Menuett den treibenden Schwung des Prestissimo-Finales einleitet.
