Streichquartett Nr. 16 in F‑Dur
Ludwig van Beethoven komponierte sein letztes Streichquartett, Op. 135, im Jahr 1826. Normalerweise wird es mit den vier vorangegangenen Quartetten, die in den Jahren 1822–26 entstanden, in eine Reihe gestellt, aber inwieweit gehört es zu ihnen? Es ist viel prägnanter, und seine viersätzige Form wirkt recht konventionell – vor allem nach den erstaunlichen formalen Abenteuern der anderen so genannten „späten Quartette“. Und nicht nur das: In der Eröffnung stellt Beethoven den genialen, witzigen Konversationsstil von Franz Joseph Haydns bahnbrechenden Quartetten wieder her, der Welten von den intensiven inneren Dialogen der Opp. 127–132 entfernt scheint. Dennoch gibt es auch hier Tiefgründiges und Momente von atemberaubender Originalität. Der zweite Satz ist eines der rhythmisch kühnsten Scherzi Beethovens, in dem es ihm zu gefallen scheint, uns immer wieder den Teppich unter den verhexten Tanzfüßen wegzuziehen. Dann folgt ein langsamer Satz, der zwar kurz und einfach strukturiert ist, aber tief in die Emotionen eingreift und in seinem Kern die Stille mit verheerender Wirkung nutzt. Beethoven hatte dieses „Lento assai“ ursprünglich als achten und letzten Satz für Op. 131 vorgesehen, erkannte aber schließlich, dass es einen anderen Kontext brauchte. Was folgt, scheint todernst zu sein: eine düstere, langsame Einleitung, die auf einem Motiv basiert, das Beethoven mit „Muss es sein?“ überschrieben hat. Doch dann erwacht ein Allegro mit dem Gegenmotiv „Es muss sein!“ zum Leben. Der beklemmende Anfang kehrt zurück, doch am Ende scheint es, als sei die Tragödie eine Maske, hinter der sich die komische Wahrheit verbirgt, bereit, hervorzubrechen. In einer Version von Beethovens letzten Worten heißt es: „Applaudiert, meine Freunde, die Komödie ist vorbei.“
