Geht man davon aus, dass die „Winterreise“ aus Kälte und Dunkelheit berichtet, so gilt das bei vorliegendem Album doppelt: Der Tenor Cyrille Dubois und die Pianistin Anne Le Bozec nahmen Franz Schuberts Liederzyklus 2021 auf, als die Welt aufgrund der Covid-19-Pandemie stillzustehen schien und soziale Kontakte rar gesät waren. Wie wirkt sich ein solches Leben in der erzwungenen Entschleunigung auf die Musik aus, die ohnehin so gedankenschwer erscheint? Nun, die Melancholie, die der Musik innewohnt, ist nach wie vor das bestimmende Gefühl. Doch der Gesang von Dubois nimmt sich, verglichen mit vielen der klassischen Aufnahmen aus den letzten Dekaden, zurück. Der Franzose klingt kontemplativ, beinahe verwundert, ganz so, als würde da plötzlich ein Sonnenstrahl die Wolken durchbrechen. Zusammen mit Le Bozec und ihrem über 100 Jahre alten Klavier entsteht so ein Klangbild, das Trost spendet.