Pjotr Iljitsch Tschaikowskis „Die Jahreszeiten“, das 1876 in einem Magazin veröffentlicht wurde, um von Amateurpianist:innen im eigenen Zuhause gespielt zu werden, stellt für einen Pianisten wie Bruce Liu (selbst Gewinner des internationalen Chopin-Wettbewerbs 2021) nur wenige technische Herausforderungen dar. Aber unter der oberflächlichen Schlichtheit dieser zwölf Charakterstücke, die uns Monat für Monat durch ein russisches Jahr führen, liegen einige der gefühlvollsten Momente des Komponisten aus dem 19. Jahrhundert.
Wer einmal das nordeuropäische Klima erlebt hat, versteht die Stimmung, die man hier vorfindet. So schlägt sogar im angedeuteten Frühling und Sommer ein melancholisches Herz („März: Lied der Lerche“ und „April: Schneeglöckchen“); und in dem sehnsüchtigen „Herbstlied“ vom Oktober geht es weniger um Jahreszeiten reifer Fruchtbarkeit, sondern vielmehr darum, sich vom Licht zu verabschieden. Der Weihnachtswalzer tanzt zart, aber mit Blick auf die sinkenden Temperaturen.
Tschaikowski glänzt jedoch am meisten, wenn er sich einer Seelensuche hingibt, und diese Stücke sind ausnahmslos wunderschön, sogar die schwere Erhabenheit des Jagdlieds des Septembers. Liu führt auf wunderbare Weise durch die Stücke und verleiht ihnen Charakter. Jede einzelne Note und Phrase erhält großzügig Zeit zum Atmen. Alles ist klar und sorgfältig ausgeformt, jedoch nie auf Kosten der Poesie der Musik.
Im Album-Booklet
Jessica Duchens herausragende Begleitnotizen kombinieren einen Leitfaden zur Musik mit interessanten Erkenntnissen aus einem Interview mit Liu.
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