Die amerikanische Geigerin Stella Chen schlägt in diesem großartigen Konzert-Doppel eine Brücke zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert. Ihre Interpretation des langen Eröffnungssatzes von Ludwig van Beethovens Violinkonzert ist üppig und weitläufig, sie genießt die klaren pastoralen Klangfarben der Musik ebenso wie die warmen, liedhaften Passagen für das Soloinstrument. Ihr Ton ist verführerisch voll, die Intonation makellos, und das gesamte Spiel strahlt ein unwiderstehliches Gefühl von Wohlbefinden und Zuneigung aus.
Chens poetisches Gespür überträgt sich nahtlos auf das zweite Werk, das Violinkonzert ihres Landsmanns Samuel Barber. In den weitgespannten Melodielinien zu Beginn des Stücks scheint sie zu schweben, während sie im gefühlvollen langsamen Satz die emotionale Tiefe auf berührende Weise herausarbeitet. Das furiose Finale ist bekanntlich eine Herausforderung für Solist:innen, doch Chen bleibt unerschütterlich und zeichnet dabei Details nach, die weniger versierte Geiger:innen leicht übersehen. Feurige Unterstützung erhält sie von der Academy of St Martin in the Fields und dem Dirigenten Jean-Jacques Kantorow, die ihr einfühlsam zur Seite stehen.