Études d'exécution transcendante
Franz Liszts zwölf „Études d’exécution transcendante“ („Etüden von übernatürlicher Ausführung“) brauchten viele Jahre, um ihre endgültige Form zu erreichen, und wurden schließlich 1851 fertiggestellt. Im Jahr 1826, als Liszt als virtuoser Pianist bereits eine junge Sensation in Paris war, schrieb er seine „Étude en douze exercices“ („Etüde in zwölf Übungen“, S. 136). Dabei handelte es sich um eine technisch recht einfache Reihe von zwölf Studien in abwechselnden Dur- und Moll-Tonarten. Elf Jahre später, im Jahr 1837, komponierte Liszt, inzwischen der brillanteste Komponist und Pianist seiner Zeit, die Reihe als zwölf „Grandes études“ („Große Studien“, S. 137) neu, wobei das ursprüngliche Material erweitert und zu einer Musik von enormer technischer Komplexität ausgearbeitet wurde. Schließlich wurde die Musik noch einmal als „Études d'exécution transcendante“ überarbeitet. Liszt kürzte nun einen Teil des Materials und verringerte die technischen Anforderungen etwas – obwohl diese immer noch gewaltig sind; außerdem gab er jeder Studie einen beschreibenden oder poetischen Titel. Das Werk enthält einige seiner größten Inspirationen, die sich durch ihre enorme Kraft und ihren Ideenreichtum auszeichnen. Ein berühmtes Beispiel ist „Mazeppa“ (Nr. 4 in d‑Moll), das auf einem Gedicht von Victor Hugo basiert, in dem es um einen gefangenen Kosaken geht, der nackt an ein wildes Pferd gefesselt wird, das daraufhin über die Steppe galoppiert. Andere Stücke sind das extrem schwierige „Feux follets“ („Irrlichter“, Nr. 5 in B‑Dur), die turbulente „Wilde Jagd“ (Nr. 8 in c‑Moll) und das eindringliche und stimmungsvolle „Chasse-neige“ („Schneesturm“, Nr. 12 in b‑Moll).
