Streichquartett Nr. 1 in h‑Moll
Obwohl es drei einfallsreiche und zutiefst lyrische Sätze umfasst, ist Samuel Barbers „String Quartet op. 11“ vor allem für seinen zweiten Satz bekannt: Aus ihm stammt das berühmte „Adagio for Strings“. Barber begann im Sommer 1936 mit dem Streichquartett, als er sich mit seinem Partner, dem Komponisten Gian Carlo Menotti, in einer Berghütte in der Nähe von St. Wolfgang in Österreich aufhielt. Die Arbeit an der Partitur ging nur langsam voran, und eine erwartete Uraufführung durch das Curtis String Quartet kam nicht zustande. Barber blieb hartnäckig am Werk: Drei Wochen später verkündete er, dass der zweite Satz fertig sei – und bezeichnete ihn als „umwerfend“. Das Pro Arte Quartett stellte das dreisätzige Quartett schließlich im Dezember in Rom vor. Unzufrieden mit dem Finale, überarbeitete Barber den Satz zwei weitere Male, bevor die neue Fassung schließlich 1943 veröffentlicht wurde. Ob Barber nun von den Geistern vergangener Streichquartette heimgesucht wurde oder nicht: Die energisch-druckvolle Eröffnung erinnert an Ludwig van Beethovens „Streichquartett Nr. 11 op. 95“. Es folgen eine choralartige Passage und ein sehnsüchtiges drittes Thema. Das dramatische Herzstück des Werks ist und bleibt aber der zweite Satz: Basierend auf einem dreinotigen Motiv, steigern sich die Klänge schrittweise zu einer Melodie und zu einem leidenschaftlichen Höhepunkt. Als „Adagio for Strings“ (1938) wurde es zur bevorzugten Musik für Momente der nationalen Trauer oder Besinnung. Der dritte Satz, ein aufgeregtes Sonatenrondo, markiert Barbers letzten Beitrag im Mittelteil des Streichquartetts.
